Warnung an alle Vermieter: Mord in Nordstetten: Vorzeige-Syrer soll den eigenen Vermieter auf dem Gewissen haben

Horb-Nordstetten: Der Immobilien-Unternehmer Michael Riecher ist tot. Am 2. November fand das Leben des Unternehmers ein vorzeitiges Ende. Dringend tatverdächtig ist ein Syrer, der gleichzeitig Mieter von Riecher gewesen ist. Dieser sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Obduktion ergab am Dienstag ein Tötungsdelikt. Seitdem ermittelt eine 50-köpfige Soko.

Am Briefkasten vom Haus in der Ritterschaftsstraße ist ein syrischer Name zu lesen: M. O. An der Haustür ist neben dem Polizeisiegel am Klingelschild immer noch der Name „Riecher“ zu lesen. Das Elternhaus von Michael Riecher.

Im Gegensatz zu Riechers Bau in der Weikersthalstraße wirkt sein Elternhaus stark sanierungsbedürftig. Ein Bekannter Riechers erzählt, dass er überrascht war, als er das Haus bewohnt sah. „Ich habe ihn gefragt: ›Sag mal, Michael, Du wolltest das doch nie vermieten oder verkaufen. Jetzt doch?‹ Da hat er mir geantwortet: ›Ja, so richtig vermietet ist das nicht. Ich bekomme zwar ein bisschen Geld aber ich richte in dem Haus nichts. Das ist so abgemacht.“

M. O. und Riecher sollen eine Vereinbarung miteinander gehabt haben. Der technisch begabte Syrer sollte selbst das Haus auf Vordermann bringen und seinem „Vermieter“ gleichzeitig auch mal in seinem Haus helfen. Gab es deshalb Streitigkeiten?

Nachbarn berichten, dass M.O. oft sehr ruppig mit seiner Frau umgegangen sei. „Sie durfte nie alleine aus dem Haus und durfte zum Beispiel auch den Schornsteinfeger nicht reinlassen.“ Eine Freundin von M. O. widerspricht dem aber: „Er hat seiner Frau die Wahl gelassen ob sie Kopftuch trägt oder nicht, wie sie sich kleidet.. er ist ein offener Mensch und das habe ich jedes Mal gemerkt, wenn ich ihn und seine Frau besucht habe.“

Der Mann, der jetzt in Untersuchungshaft sitzt – er ist in Horb bekannt. Er soll im Rahmen der Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland gekommen sein. Im September 2015 landete M. O. in Horb. Ein ehemaliger Lehrer erzählt: „Er ist ein offener Typ. Sehr freundlich und lustig.“ Er lebte in den Flüchtlingsunterkunft in der Ihlinger Straße.

Ein Jahr später erzählt er, dass er aus der Region der syrisch-israelischen Grenze unweit der Golanhöhen stamme und studierter Mathematiker sei. Er habe den Militärdienst verweigert, sodass er ins Gefängnis gekommen sei. Damals sagte er, dass sei die einzige Option für ihn gewesen: „Ich will niemanden töten.“

Nach der Haft habe er seine zerbombte Heimat verlassen. Über die Türkei habe er sich 2015 auf den Weg nach Deutschland gemacht. M. O. galt damals für den Horber Arbeitskreis Asyl als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration. Er hatte in Eilgeschwindigkeit deutsch gelernt, sich sehr schnell an die deutschen Gepflogenheiten gewöhnt. Schnell fasste er auch auf dem Arbeitsmarkt Fuß.

Eine Frau aus Horb berichtet: „Er hat mich auf der Straße angesprochen und war sehr nett. Ich habe gar nicht gemerkt, dass er ausländischen Hintergrund hat.“ In dieser Zeit habe auch darauf bestanden, dass man ihn mit einem selbst gewählten deutschen Vornamen anspricht.

An vielen Orten hatte M. selbst ehrenamtlich angepackt – weil ihm der Horber Arbeitskreis Asyl zuvorgeholfen hatte. In der Kleiderkammer beispielsweise. Die Bekannte des Täters erzählt, dass bei dem, was er ihr erzählt hatte, keine Anzeichen für eine Traumatisierung durch den syrischen Krieg gibt. Sie sagt: „Mir hat er erzählt, dass er sich jahrelang in der Türkei aufgehalten hat. Noch bevor der Bürgerkrieg in Syrien angefangen hat.“ Sie beschreibt ihn: „Er konnte auch ein Hallodri sein, ein richtiger Lebemann mit südländischem Einschlag.“

Zum Jahreswechsel 2016/17 hatte M. O. noch fleißig Wohnungen gesucht. Riecher hatte sich immer sehr für die syrischen Flüchtlinge eingesetzt. Hatte unter anderem Kleinbusse gemietet, damit auch die Flüchtlinge aus Empfingen und weiter entfernten Ortsteilen von Horb an der Vesperkirche im Steinhaus teilnehmen können.

In den vergangenen Monaten habe es eine rapide Veränderung im Verhalten von M. O. gegeben, ungefähr seit er nach Nordstetten gezogen sei. Freunde berichten: „Er hat den Kontakt mit uns so gut wie abgebrochen, hat verlangt, dass man ihn wieder mit seinem richtigen Namen anspricht und nicht mehr mit dem deutschen Namen.“

Der sonst immer so freundliche M. O. soll sich in Nordstetten von seiner Nachbarschaft eher abgeschottet haben. „Gegrüßt hat er nicht. Er ist immer nur schnell ins Haus oder schnell weggefahren, mit der Sonnenbrille auf der Nase.“

Schon seit dem Auffinden des toten Michael Riecher in seiner Wohnung, so erfuhr der Schwarzwälder Bote, war M. O. im Visier der Ermittler.

Das hat wohl verschiedene Gründe.

Grund 1: Er soll als erster am Samstagmorgen am Haus von Riecher gewesen sein. Und das kam nach Informationen des Schwarzwälder Boten so: Riecher war an diesem Samstagmorgen mit einem Geschäftspartner um 10 Uhr verabredet. Dieser Geschäftspartner hatte versucht, den Immobilienunternehmer zu erreichen –­ vergeblich. Daraufhin soll der Geschäftspartner den Tatverdächtigen angerufen haben: „Geh doch mal rüber und guck, ob Michael da ist.“

Rief M. O. den Krankenwagen?

M. O. sei von seiner Wohnung im Elternhaus von Riecher rüber in die Weikersthalstraße gelaufen. Dort habe er mehrfach an der Tür geklingelt und den Krankenwagen gerufen. Zwischen 10.30 Uhr und 11 Uhr hatte der Tatverdächtige den Geschäftspartner am Elternhaus von Riecher getroffen. Dort soll M. O. erzählt haben, dass Riecher tot sei. Dann habe der Tatverdächtige mit einer Schwester des Toten über eine mögliche Beerdigung kommuniziert.

Grund 2: Der Tatverdächtige hat eine sehr enge Beziehung zum Opfer.

Fast täglich hatten sich M. O. und Riecher getroffen. Zwischen beiden, so berichten Freunde, hat sich eine sehr enge, freundschaftliche Beziehung entwickelt. Wenige Tage vor dem Tötungsdelikt – möglicherweise an Allerheiligen –­ seien Michael Riecher und M. O. noch gemeinsam auswärts essen gewesen. Dabei soll das Opfer, so erzählt es der Tatverdächtige später, ihm gesagt haben: „Mir geht es nicht gut, ich werde bald sterben.“ Freunde von Riecher sagen: „Wir haben Zweifel, ob diese Aussage von Michael wirklich stammt. Das wäre nicht typisch für ihn.“

Grund 3: M. O. soll im Haus von Riecher ein und ausgegangen sein. Er soll Riecher immer wieder auch Essen von seiner Ehefrau vorbei gebracht haben. So dürften sicher auch Spuren von ihm gefunden worden sein.

Am Sonntag, 3. November, tauchten Ermittler im Wohnhaus von Michael Riecher auf und begannen, Spuren zu sichern. Seit dem darauffolgenden Montag wurde weder der Tatverdächtige, seine Ehefrau, noch sein Auto in Nordstetten gesehen, berichten mehrere Nachbarn übereinstimmend. Hat er sich woanders, zum Beispiel bei den Eltern seiner Ehefrau in der weiteren Region, aufgehalten? Gab es vielleicht sogar Fluchtgefahr ? Am Freitagabend wurde M. O. verhaftet – aber wo? Das ist ebenfalls nicht bekannt gegeben worden.

Doch wie sicher sind die Ermittler, dass der 27-Jährige Michael Riecher getötet hat? Der Antrag für den Haftbefehl lautet auf Mord. Laut einem Polizeisprecher habe der Tatverdächtige „Angaben“ gemacht. Diese werden jetzt auf Plausibilität geprüft. Hat O. Entlastendes vorbringen können oder sogar andere belastet?

Der Polizeisprecher erklärt, dass weitere Zeugen befragt werden sollen und die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

 

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