Flüchtlingssituation in Bosnien spitzt sich zu: Die kroatische Polizei ist mit ihrer Prognose bezüglich eines Flüchtlingsansturms noch vor dem Winter richtig gelegen.

Täglich wächst die Zahl jener Migranten, die zu Fuß durch Bosnien-Herzegowina Richtung kroatische Grenze unterwegs sind und dort vorerst festsitzen oder beim Versuch, in die EU zu gelangen, von den Sicherheitskräften abgefangen werden. In den Grenzorten Velika Kladusa und Izacic ist die Situation enorm angespannt. Hunderte Menschen vorwiegend aus Afghanistan und Syrien campieren zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen im Nordwesten Bosniens. Auch die Flüchtlingszentren platzen aus allen Nähten. Zudem sind diese zum Teil noch gar nicht auf die kalten Wintermonate vorbereitet.

In der Stadt Bihac kommt es seit Tagen zu Protesten der ortsansässigen Bevölkerung gegen die „gefährliche Situation“ (siehe Tweet unten). In Medienberichten ist von Geschäftsplünderungen und Belästigung von Kindern die Rede. „Wir wollen nicht, dass Bihac zu einem Migrantenghetto wird“, forderten am Montag Demonstranten.

In einigen Medien wird die Situation mit jener während der Balkankriege verglichen, als Vertreter ethnischer Minderheiten aus Gebieten flüchteten, in denen ethnische Säuberungen durchgeführt wurden. Aber bisher bleibt die Grenze der Kroaten dicht. Am Montag wurden rund 100 Migranten von der bosnischen Polizei knapp 200 Meter vor dem Grenzübergang Izacic (siehe Karte unten) abgefangen. Einige konnten überredet werden, in ein nahe gelegenes Camp zurückzukehren. Doch die Mehrheit blieb und übernachtete unter freiem Himmel. Die einheimische Bevölkerung versorgte die Menschen mit Lebensmitteln und warmen Getränken.

„Sie haben den Verkehr nicht gestört und es gab keine Zwischenfälle“, erklärte eine Sprecherin der Polizei gegenüber der kroatischen Tageszeitung „Slobodna Dalmacija“. Unter den Migranten habe sich auch eine große Anzahl von Frauen und Kindern befunden, die im ehemaligen Luxushotel „Sedra“ in Cazin untergebracht wurden. Dieses Hotel und auch andere Hotspots hat krone.tv erst vor wenigen Wochen während eines Lokalaugenscheins besucht. Den Videobericht sehen Sie unten.

Lücken in geschlossener Balkanroute
Schlepper versprechen Flüchtlingen, sie trotz weitgehender Schließung der Balkanroute in den Norden des Balkans oder über die Adria nach Italien und danach nach Mitteleuropa zu bringen. Der noch nicht mit Zäunen versperrte Weg führt über unbewachtes Gelände durch Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Fast täglich nimmt die griechische Polizei Schlepper fest, die mit Minibussen oder in Hohlräumen von Lastwagen Migranten aus der Region des griechisch-türkischen Grenzflusses Evros nach Westgriechenland bringen.

Gabor Agardi

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