Umweltschutz & Klimawandel: Wegen Russland-Sanktionen: Polen nimmt 500.000 Tonnen Äpfel vom Markt und vernichtet sie einfach

Sie haben richtig gelesen: Polen nimmt eine halbe Million Tonnen Äpfel vom Markt und führt sie der gezielten Vernichtung zu. Eine unfassbar große Menge der Früchte wird auf Anweisung der Regierung entsorgt, um die Preise künstlich in die Höhe zu treiben. Ohne Russland-Sanktionen wären diese Äpfel in Putins Reich exportiert worden.

von Ernst Fleischmann

Polen ist nach Italien der zweitgrößte Apfelproduzent in Europa und landet weltweit sogar auf dem vierten Rang. In den vergangene Jahrzehnten haben die Polen immer fleißig Äpfel nach Russland exportiert. Doch seit die Sanktionen in Kraft sind, hat es sich damit erledigt und unsere Nachbarn bleiben jedes Jahr auf tausenden Tonnen Äpfeln sitzen.

Polen ist trotz alledem fleißig am Exportieren und liefert Äpfel unter anderem nach Vietnam, Singapur, Hong Kong, Indien, Malaysia und Ägypten. Irrwitziger Weise landen in den europäischen Supermärkten in Größenordnungen Äpfel aus Südafrika. Angesichts dieser Tatsache muss man sich wirklich die Frage stellen, ob wir unbedingt einen Apfel aus Südafrika kaufen müssen, oder ob es nicht vielleicht auch der aus unserem Nachbarland tut. Die Globalisierung trägt unheimliche Früchte.

Der Obst- und Gemüsemarkt in Europa ist ohnehin äußerst seltsam gestaltet. Bauern müssen Kontrakte erfüllen und bauen deshalb mehr an, als überhaupt benötigt wird. Dann werden in der EU jedes Jahr mehr als 50 Tonnen Obst und Gemüse einfach entsorgt, weil es wegen Form oder Größe irgendwelche Normen, die sich überbezahlte Eurokraten im Kokainrausch ausgedacht haben, nicht erfüllt. Hat die Gurke einen bestimmten Krümmungswinkel überschritten, kann sie nicht mehr verkauft werden und wird vernichtet. Als würde sie deshalb anders schmecken. Absoluter Wahnsinn im 21. Jahrhundert.

Laut GUS-Prognosen wird die Apfelernte in diesem Jahr trotz der Dürre in Polen ein Rekordniveau von 4,4 Millionen Tonnen erreichen, d. h. um 65 Prozent mehr als letztes Jahr. Einige Prognosen deuten darauf hin, dass die Ernte sogar noch besser sein wird und sie rechnen sogar mit 5 Millionen Tonnen. Das führt aber zu niedrigen Preisen, insbesondere, wenn es sich dabei um die an Verarbeitungsbetriebe gezahlten Preise handelt. Sie entschädigen die Landwirte nicht für Produktions- und Erntekosten. Also wird lieber vernichtet, da die Preise nicht die Kosten kompensieren. Nach Russland darf man ja Dank der Sanktionen nichts mehr exportieren.

Auf einem Feld in der Nähe von Grójec etwa wurden mal eben 70 Tonnen Äpfel einfach auf große Haufen aufgeschüttet und bleiben nun dort liegen, bis sie verrotten. Damit der Preis für Äpfel jetzt steigt, wollen die mit der Regierung Polens kooperierenden Unternehmen  eine halbe Million Tonnen Industrieäpfel vom Markt nehmen, wie der Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Jan Krzysztof Ardanowski am Montag in Poznań angekündigt hat. Man muss sich dabei immer vor Augen halten, dass es auch in Europa Menschen gibt, die Hunger leiden müssen. Doch anstatt diese zu unterstützen, werden lieber Lebensmittel in Größenordnungen vernichtet.

Wer jetzt glaubt, diese Aktion in Polen sei einzigartig, der irrt gewaltig. In Coahuayana, Mexiko, warfen Bananenproduzenten 11 Millionen Kilo Bananen auf den Müll, um die Preise zu regulieren. Und während noch massenweise Gurken entsorgt wurden, heißt es plötzlich: Der Preis für Gurken ist in einem Jahr um 130 Prozent gestiegen! Milch wird als Milchpulver tonnenweise in Deutschland gelagert, übrigens mit Steuergeldern finanziert, damit der Milchpreis steigt. Und heißt es jetzt: Hitzewelle lässt Preise steigen. Tomaten landen in der Biogasanlage und auch, weil es zu viel Salat und oder Broccoli gibt, bleiben diese auf den Feldern und werden dort mit dem Mulchgerät zerkleinert, denn ein Überangebot drückt den Preis. Willkommen in der schönen neuen Welt der Globalisierung und es Raubtierkapitalismus…und der Sanktionen gegen unliebsame Länder.

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