Haftbefehle gegen Syrer und Iraker nach tödlicher Messerattacke in Chemnitz: Neue Demos und Gerüchteküche zum Mord von Chemnitz

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Mannes zwei Haftbefehle erlassen. Ein 23-jähriger Syrer und ein 22-jähriger Iraker werden derzeit dem Haftrichter vorgeführt.

Nach der tödlichen Messerattacke in der Nacht zu Sonntag hat die Polizei offenbar einen schnellen Fahndungserfolg erzielt. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat Haftbefehl gegen zwei Männer erlassen. Dabei handelt es sich offenbar um einen 23-jährigen Syrer und einen 22-jährigen irakischen Staatsbürger.

In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es, die beiden Beschuldigten sind aufgrund bisheriger Ermittlungen dringend verdächtig, am Sonntag, den 26.08.2018 gegen 3 Uhr in Chemnitz nach einer vorangegangenen verbalen Auseinandersetzung ohne rechtfertigenden Grund mehrfach mit einem Messer auf einen 35-jährigen Deutschen eingestochen zu haben. Der Mann erlag noch in derselben Nacht seinen schweren Verletzungen. Die Ermittlungen, insbesondere zum Tatmotiv, zum genauen Tatablauf und zur Tatwaffe dauern laut Staatsanwaltschaft an.

Am Sonntag nach der Tat hatten sich Hunderte Menschen zu einem Protestzug durch Chemnitz verabredet. Dabei sollen sie nach Angaben verschiedener Medienberichte Polizisten sowie Migranten attackiert haben. Laut der Polizei in Chemnitz gehen auch hier die Ermittlungen weiter. Für den heutigen Montag sind in der sächsischen Stadt weitere Demonstrationen sowohl gegen Fremdenfeindlichkeit als auch von rechten Organisationen geplant.

Der Mord an einem 35-Jährigen und die darauf folgenden Demonstrationen in Chemnitz sorgen für Bestürzung und Spekulationen. Die Polizei hält sich bedeckt zu den Nationalitäten sowohl der Opfer als auch der Täter der Messerstecherei. Für Montag wird mit weiteren Demonstrationen gerechnet.

Bei dem in Chemnitz Getöteten soll es sich um den Tischlerlehrling Daniel Hillig handeln.

Der 35-Jährige erlag am Sonntagmorgen im Krankenhaus seinen Verletzungen durch Messerstiche. Seine beiden Begleiter (33 und 38 Jahre alt) wurden ebenfalls schwer verletzt. Einer der beiden soll noch in Lebensgefahr schweben. Unter anderem die „BILD“ hatte berichtet, dass es sich bei den drei Männern um Deutsche russischer Abstammung handelt. Zu Daniel Hillig heißt es jedoch inzwischen, dass er Chemnitzer mit kubanischen Wurzeln war.

Erste Meldungen zu den Vorfällen in Chemnitz berichteten, dass im Anschluss an ein Stadtfest in Chemnitz in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Gruppe von bis zu zehn Migranten eine Frau belästigt hätten. Dies wurde allerdings von der Polizei bisher nicht bestätigt.

Inzwischen reißen die Spekulationen, vor allem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, nicht ab. Der Twitter-User Jens schreibt von „einem versuchten Raub“ und einem anschließenden „Überfall durch eine Gruppe“.

Hillig und seine zwei Begleiter seien zu Hilfe geeilt und dann mit der Gruppe in Streit geraten. Die Männer wurden verletzt, die Täter flüchteten.

Verschiedene Quellen berichten davon, dass Hillig mit 25 Messerstichen getötet wurde.

Das Tatmesser wurde von der Polizei hinter der Bühne des Stadtfestes gefunden. Zwei Tatverdächtige wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Der Haupttäter soll ein 23-jähriger Tunesier sein, wie ebenfalls verschiedene Quellen berichten. Auch dies ist nach wie vor nicht bestätigt. Die Polizei Chemnitz spricht lediglich von „mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten“.

Am Sonntagmittag hatte die Alternative für Deutschland (AfD) zu einer Demo in der Nähe des Tatorts aufgerufen. Laut Polizei nahmen rund 100 Personen daran teil.

Unterstützung gab es unter anderem vom AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier.

Um 16 Uhr am Sonntag wurde das Stadtfest zum Jubiläumsgeburtstag von Chemnitz abgebrochen. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Fest nach Schlägereien vorzeitig abgesagt. Gleichzeitig kam es am Sonntagnachmittag im Zentrum von Chemnitz nach einem Aufruf des Fanklubs des Chemnitzer FC zu einer weiteren Demonstration mit diesmal geschätzt 1000 Teilnehmern. Die Demonstranten skandierten Sprüche wie „Das ist unsere Stadt“ und „Wir sind das Volk“.

Die Stimmung soll aggressiv gewesen sein. Es kam zu Beschimpfungen und Übergriffen auf „nicht-deutsch“ aussehende Bürger. Darauf erhöhte die Polizei ihr Aufgebot. Gegen Abend wurde bekannt, dass es sich bei dem Opfer wohl um Daniel Hillig handelt, und es gab spontane Trauer- und Gedenktreffen in Chemnitz. Die Nacht verlief relativ ruhig. Für den heutigen Montag wurde in Chemnitz zu einer weiteren Demonstration und zu einer Gegendemonstration aufgerufen.

Im Laufe des Montags wird mit einer Pressekonferenz der Polizei Chemnitz zu den Vorfällen gerechnet.

(Sputnik)